Die zartrosa bis weißen Blüten der japanischen Kirschbäume (jp. Sakura) sind eines der wichtigsten Symbole der japanischen Kultur und ein Sinnbild für Vergänglichkeit, Frühling und Neubeginn.
Grund genug für die Japaner, jedes Frühjahr aufs neue, wenn die Blüten ihre ganze Pracht offenbaren, das Kirschblütenfest, Hanami, zu feiern.
Das Hanami hat Tradition. Man geht davon aus, dass es bereits in der
Nara-Zeit (710-784) zelebriert wurde; Aufzeichnungen darüber gibt es allerdings erst seit der
Heian-Zeit (794-1185), als japanische Lehnsherren und deren Gefolge sich zum beschaulichen Betrachten der Blüten versammelten. Lange Zeit war dies nur den Adeligen vorbehalten, doch über die Jahre setzte sich dieser Brauch auch in der einfachen Bevölkerung durch und wurde zu einem regelrechten Kult, der Millionen Japaner in die Parks und Tempelanlagen lockte.
Die Kirschbäume, oder auch Sakura-Bäume, gibt es mittlerweile in Japan fast überall, denn neben den Parks und Schreinen pflanzt man sie auch gezielt auch an Flussufern, Burgen und allen nur erdenklichen Sehenswürdigkeiten an.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Kirschblüten nicht nur von den Japanern als
wichtiges Symbol ihrer Kultur angesehen werden; jedes Jahr, wenn die Blütenpracht die Kabelstränge und Betonbauten verdeckt, strömen auch Millionen von
Touristen in die Metropolen des Landes, um sich von dem Anblick der Bäume verzaubern zu lassen.
Vor allem die Aspekte der
Schönheit und Vergänglichkeit der Kirschblüte sprechen die Japaner an. Denn die japanischen Kirschbäume tragen
keine Früchte und somit sind die Blüten ihre einzige Pracht im Jahr.
Nach der vergleichsweiße langen Reifezeit der Kirschblüten, blühen sie nur sehr kurze Zeit und fallen im Moment ihrer größten Schönheit und Erhabenheit. Die Freude an den schönen Blüten ist also immer nur von sehr kurzer Dauer.
In diesen kurzen zwei Wochen, während die Bäume in voller Blüte stehen, befindet sich Japan im wahrsten
Sinne des Wortes im Ausnahmezustand. Auf Grund der geografischen Lage des Landes, und der damit einhergehenden jahreszeitlichen Verschiebungen, zieht die "Kirschblütenfront" in dieser Zeit langsam von Südwest nach Nordost von etwa Ende März bis Anfang Mai über die Insel.
Dabei wird über den aktuellen Fortschritt der Blüten sogar in den Medien berichtet. Diese Berichte kommen vor allem hartgesottenen Hanami-Fans zu gute: sie reisen der Kirschblüte jedes Jahr aufs neue hinterher!
Bis die gefürchtete Zeit der
Blätterblüte, die Phase in der sich die ersten grünen Blätter unter die sonst rosafarbene Pracht mischen, beginnt, feiert man ausgiebig das Hanami.
Mit Freunden, Kollegen oder auch mit der Familie macht man sich auf den Weg in die nahen Parks (natürlich nicht ohne reichlich Proviant und vor allem Sake) und versucht einen der besten Plätze unter den schönsten Bäumen zu ergattern. Diesen reserviert man dann auch am besten gleich mit einer
blauen Plastikplane (die übrigens nicht mit Schuhen betreten wird).
Um die schönsten Plätze bricht jedes Jahr aufs
Neue ein regelrechter Kampf aus. Deutlich im Vorteil sind dabei diejenigen, die sich als erste einen Platz reservieren. So ist in dieser fünften Jahreszeit der Anblick eines jungen Angestellten, der allein auf einer Plastikplane sitzt und auf seine Kollegen wartet, oft bis in die Abendstunden, kein seltener - nur so kann er die begehrten Plätze für seinen Betrieb sichern.
Vor allem die Abendstunden werden besondersn genossen, da die Kirschbäume dann von unten angestrahlt werden. Viele feiern wild bis in die Morgenstunden.
Dabei fließt nicht nur der
Sake in rauen Mengen, sondern es gibt natürlich auch kulinarische Köstlichkeiten wie zum Beispiel
Okonomiyak (japanische Eierpizza),
Bratfisch,
Buchweizennudeln oder
Tintenfisch.